Nachruf Ingrid Labitzke

"Wer sich des Armen erbarmt, der ehrt Gott!"
Sprüche 14,31b

Tief erschüttert und unerwartet muss das Diakonische Werk Marburg-Biedenkopf Abschied von

                                         Ingrid Labitzke

nehmen. Als Sozialpädagogin hat sie in herausragender Art und Weise unser Diakonisches Werk 26 Jahre lang geprägt und der Arbeit für Benachteiligte, insbesondere auch der Seniorenarbeit, ein unverwechselbares, menschliches Gesicht gegeben. Diakonie als im Glauben verwurzeltes, tätiges Dasein für den Nächsten hat sie überzeugend gelebt. Als Brücke zu Institutionen in der Stadt Marburg und im Landkreis war sie ein einzigartiger Gewinn.

Wir haben nicht nur eine hoch geschätzte Mitarbeiterin und Kollegin, sondern viele auch eine Freundin verloren. Unsere Gedanken sind bei ihrer Familie und wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren.

Arbeitskreis Soziales besucht den Laden in Gladenbach


Es gibt einen Bedarf an gut erhaltener Kleidung zum kleinen Preis. Mit dieser Prämisse hat sich das Diakonische Werk Marburg-Biedenkopf am Projekt DRIN der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau und der Diakonie beteiligt.

Der Arbeitskreis Soziales der SPD-Kreistagsfraktion besuchte den LADEN in Gladenbach, um sich ein Bild von diesem wichtigen sozialen Angebot zu verschaffen. Die Leiterin der Diplom-Sozialpädagogin Agnes Protz vom Diakonischen Werk informierte bei dem Rundgang und dem anschließenden Gespräch, dass das gesamte Angebot des Ladens aus gespendeter, gebrauchte Kleidung besteht,  die zu einem erschwinglichen Preis verkauft wird. Die Preisliste der geprüften Ware ist beeindruckend: Eine Winterjacke kostet 8,-- €, ein Anzug 10,-- €, ein Pullover 4,--€, eine Bluse 3,--€, ein Mantel 14, €. .Das umfangreiche Kleidungsangebot wird vor allem von Kunden mit nachgewiesener Bedürftigkeit genutzt und diese erhalten alle Waren zum halben Preis. Aber auch andere Kunden sind willkommen.

Die Arbeit im Laden wird fast ausschließlich von ehrenamtlichen Kräften getragen. Kommen Sachspenden wird jedes Stück zunächst überprüft, ob es sich für den Verkauf eignet. Kaputte oder verwaschene Teile werden aussortiert und an Hilfsorganisationen weitergegeben. Über 40 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich um den Laden, packen aus, räumen Regale ein, verkaufen, dekorieren das Schaufenster und beraten beim Einkauf.

Ulrich Kling-Böhm, Diakoniepfarrer und Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Marburg-Biedenkopf wies bei seiner Bewertung des Projektes darauf hin, dass mit der Möglichkeit gute Kleidung zu erhalten, besonders eine Hilfe für bedürftige Menschen geschaffen worden ist. Erfreulich sei in diesem Zusammenhang auch, dass die evangelische Kirchengemeinde Gladenbach die Arbeit des Ladens durch Aktionen und finanzielle Hilfen unterstützt.

Die Mitglieder des Arbeitskreises zeigten sich beeindruckt, dass der Laden mit seinen über 200 Quadratmetern nicht nur zum gemütlichen Stöbern einlädt, sondern auch eine Café-Ecke, in der Kunden verweilen können, anbietet. Geöffnet ist der Laden dienstags und mittwochs von 10 bis 13 Uhr sowie donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr.

Eine Besonderheit ist auch, dass zweimal im Monat ein kostenfreier Reparaturdienst, ebenfalls auf ehrenamtlicher Basis, angeboten wird.  „Die Idee passt gut zum Konzept des Ladens“, erklärt Agnes Protz, denn auch beim Verkauf gut erhaltener Kleidung stehen soziale Beweggründe und Umweltschutzgedanken dicht nebeneinander. Schließlich ist der Laden auch ein Treffpunkt für Beratungsarbeit.

Helmut Kretz, Fachbereichsleiter des Diakonischen Werkes, wies darauf hin, dass es nach Beendigung der finanziellen Förderung aus dem Projekt DRIN nun darum gehe, die Zukunft des LADENS nachhaltig zu sichern. Angedacht ist die Akzeptanz des LADENS durch eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit zu steigern. Darüber hinaus soll die Zusammenarbeit mit weiteren Trägern angestrebt werden.

Den hohen Stellenwert der Einrichtung, in die zudem ein niederschwelliges Angebot für Beratungsarbeit des Diaklonischen Werkes integriert ist, stellte der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, Werner Hesse, heraus. In diesem Projekt werde vorbildlich moderne soziale Arbeit angeboten und dabei auch das Ziel einer aktiven Armutsbekämpfung in vorbildlicher Weise umgesetzt.

Bericht von Detlef Ruffert, „Pate“ des Ladens und Kreistagsvorsitzender

Krag Immobilien spendet 1.000 € für die Wohnungsnotfallhilfe

Jürgen Krag überreicht den Scheck an Ulrich Kling-Böhm, Helmut Kretz und Jens Hanno Schneider (von links)

Einen Scheck in Höhe von 1.000 Euro überreichte Diplom-Immobilienwirt Jürgen Krag der Wohnungsnotfallhilfe des Diakonischen Werkes Marburg-Biedenkopf. Der Geschäftsführer der Firma Krag Immobilien hatte dabei einen ganz besonderen Einfall: Seit dem Jahr 2014 lässt er seine Dienstleistung von den Kunden bewerten. Denen versprach er für jede abgegebene Bewertung fünf Euro an die Wohnungsnotfallhilfe zu spenden. Bei seinem Besuch in der Tagesaufenthaltsstätte (TAS) für wohnungslose Menschen in Marburg freuten sich Ulrich Kling-Böhm, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Marburg-Biedenkopf, Fachbereichsleiter Helmut Kretz und Diplom-Pädagoge Jens Hanno Schneider, über die großzügige Spende. Krag erklärte, ihm seien obdachlose Menschen im Straßenbild aufgefallen: „Die Leute schienen irgendwie vergessen zu sein.“ Sichtlich erfreut nahm er daher das umfängliche Angebot des Diakonischen Werkes zu Kenntnis.

Seit mehr als 25 Jahren gibt es in der Gisselberger Straße in Marburg die Tagesaufenthaltsstätte und die Fachberatung Wohnen. Diplom-Pädagoge Jens Hanno Schneider erläuterte, dass die Einrichtung täglich von durchschnittlich 45 Besuchern genutzt wird. Hier bekommen Sie eine warme Mahlzeit, können duschen und Wäsche waschen oder erhalten bei Bedarf auch Sachhilfen wie gut erhaltene Kleidung und Schlafsäcke. Darüber hinaus können sie die „Fachberatung Wohnen“ als Postadresse angeben. Mit dem Projekt „Krank auf der Straße“ konnte in der TAS zudem neben der bereits bestehenden ehrenamtlichen Arztsprechstunde für einige Stunden pro Woche eine Krankenschwester eingestellt und eine Zahnarztsprechstunde eingerichtet werden, so Fachbereichsleiter Helmut Kretz. Schneider sieht in der TAS, auch durch die gegebene Anonymität, ein niedrigschwelliges Angebot für die Klienten. Einen hohen Stellenwert misst er der Essensausgabe bei. „Das gemeinsame Essen macht die Atmosphäre heimeliger und dämpft Konfliktpotenzial“, so der Diplom-Pädagoge.

Er verdeutlichte zudem, wie schnell ein Mensch ohne eigenes Zutun in die Wohnungslosigkeit geraten kann. Viele davon seien völlig unauffällige Mieter, wenn sie zügig in gesicherte Wohnverhältnisse vermittelt werden könnten, betonte Schneider. Hier kann die „Fachberatung Wohnen“ für Menschen im Landkreis Marburg-Biedenkopf tätig werden, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind. „Das ist ja richtig gut, wenn hier so etwas dahintersteht“, lobte Jürgen Krag anerkennend. Für ihn ist sicher, dass die Spende beim Diakonischen Werk gut angelegt ist. Denn wie auch Geschäftsführer Ulrich Kling-Böhm verdeutlichte, sorgt die finanzielle Zuwendung der Stadt Marburg und des Landeswohlfahrtsverbandes zwar für eine Grundfinanzierung des Angebotes. Projekte, wie „Krank auf der Straße“, hängen jedoch stets von zusätzlichen Spendenmitteln ab.

Gedenkzaun erinnert an verstorbene Besucher

Helmut Kretz und Ulrich Kling-Böhm beim gemeinsamen Gebet
Der Gedenkzaun mit den Namensplättchen

An verstorbene Besucher der Tagesaufenthaltsstätte für wohnungslose Menschen (TAS) zu erinnern, das war ein Anliegen der Mitarbeitenden des Diakonischen Werks Marburg-Biedenkopf. Mit einem Gedenkzaun in der Gisselberger Straße in Marburg haben sie diesen Wunsch nun umgesetzt und damit ein bisher deutschlandweit einmaliges Denkmal geschaffen. In 38 Metallplättchen wurden die Namen der Verstorbenen gefräst und in ein Zaunelement geschweißt. „Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen seiner Mitmenschen“, dieser Spruch von Albert Schweitzer steht darüber.

Ulrich Kling-Böhm, Diakoniepfarrer und Geschäftsführer des Diakonischen Werks Marburg-Biedenkopf, erklärte: „Der Zaun trägt dazu bei, dass die Erinnerung an diese Menschen nicht verblasst“. Mitarbeitende des Diakonischen Werkes und der Stadt Marburg waren ebenso zu der kleinen Andacht erschienen wie Besucher der TAS. Jeder sei wichtig und wertvoll und habe ein Recht auf Würde und darauf, im Herzen der Menschen zu bleiben, fuhr der Diakoniepfarrer fort. „Der Zaun soll aber auch zum Nachdenken anregen, wie Menschen, denen es gut geht, mit denen umgehen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.“ Denn das Armut und Wohnungslosigkeit Lebensjahre kosten, wird gerade an diesem Beispiel erschreckend deutlich. Statistisch gesehen sterben wohnungslose Männer durchschnittlich elf und Frauen acht Jahre früher.

„Diese Menschen haben kaum Zugang zu medizinischen Angeboten und die Lebensumstände draußen auf der Straße machen krank“, weiß Helmut Kretz, Fachbereichsleiter im Diakonischen Werk. Mit dem Projekt „Krank auf der Straße“ wirkt das Diakonische Werk dieser Entwicklung ein stückweit entgegen. Neben ärztlichen Sprechstunden, die zweimal im Monat in der TAS angeboten werden, konnte inzwischen mit Fördermitteln und Spenden auch für einige Stunden wöchentlich eine Krankenschwester eingesetzt werden. Geplant ist darüber hinaus eine Zahnarztsprechstunde.

Seit gut einem Vierteljahrhundert bietet die Wohnungsnotfallhilfe Beratung und praktische Hilfe. Dazu gehört die Möglichkeit, eine warme Mahlzeit, Kleidung, einen Schlafsack oder ein Zelt zu erhalten, ebenso wie das Angebot zum Wäsche waschen und duschen. Bei der Andacht nutzte einer der Besucher der TAS die Gelegenheit, den Mitarbeitenden der Wohnungsnotfallhilfe für ihre Arbeit zu danken. Zudem veranschaulichte er am Beispiel der Bremer Stadtmusikanten, die Tagesaufenthaltsstätte diene als Begegnungsraum auch dazu, dass sich Menschen in ähnlichen Problemlagen gegenseitig unterstützten. Einige Lieder von Johnny Cash und ein gemeinsames Gebet von Ulrich Kling-Böhm und Helmut Kretz rundeten die Andacht ab. Anschließend waren die Teilnehmenden noch zu Kaffee und Kuchen eingeladen.

 

Was geht mit wenig Geld - Neuauflage wird vorgestellt

„Was geht mit wenig Geld“ heißt die Broschüre des Diakonischen Werks Marburg-Biedenkopf, die nun zum 3. Mal aktualisiert und neu aufgelegt werden konnte. „Die Broschüre ist der einzige Wegweiser, in dem ein Großteil aller Angebote für Menschen mit kleinem Einkommen in der Stadt Marburg und im Landkreis Marburg-Biedenkopf zusammengestellt sind“, so Ulrich Kling-Böhm, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Marburg-Biedenkopf. Der Leser findet hier sowohl Beratungsangebote zu finanziellen Fragen, als auch konkrete Möglichkeiten für günstige Einkäufe oder kulturelle Teilhabe. Kling-Böhm begrüßt die Zusammenarbeit mit dem Landkreis Marburg-Biedenkopf, der die Druckkosten für die 2.000 Exemplare übernommen hat. Dass die gedruckte Fassung auch in Zeiten von Internet und Smartphone ihre Berechtigung hat, darüber sind sich alle Beteiligten einig. Die vorherigen Auflagen der inzwischen 48 Seiten starken A 5 Broschüre waren jeweils schnell vergriffen.  

Joachim Hikade, stellvertretender Leiter des KreisJobCenters bezeichnete den Wegweiser als umfassend und übersichtlich. Er sagte: „Für Leute mit dauerhaft geringem Einkommen ist das eine gute Hilfe“. 1. Kreisbeigeordneter Marian Zachow sieht in der Broschüre ebenso einen Wegweiser und Türöffner für Betroffene und Berater, wie auch eine Vermesser der sozialen Landschaft im Landkreis. „Beim Durchblättern stellt man fest, wie weit das Feld der sozialen Angebote ist“, sagte Zachow. Auch beim „Schmökern“, also bei nicht gezielter Suche, lasse sich hier etwas finden.

Die Broschüre wurde inzwischen an verschiedene Kommunen, Einrichtungen und Institutionen verteilt. Geplant ist zudem sie an Kirchengemeinden, Schulen, Kindertagesstätten und Vereine weiterzugeben. Digital kann die Broschüre hier heruntergeladen werden.

Helmut Kretz, Judith Traxel und Ulrich Kling-Böhm vom Diakonischen Werk gemeinsam mit Marian Zachow, 1. Kreisbeigeordneter des Landkreises Marburg-Biedenkopf, und Joachim Hikade, stellvertretender Leiter vom KreisJobCenter

Modenschau beim Dekanatskirchentag

Agnes Protz präsentiert schicke Kleidung aus dem Laden
Auch Klaus Neumeister, Pfarrer in Gladenbach, wagt sich auf den Laufsteg

Quer durch die Jahreszeiten präsentierte sich die Modenschau des Gladenbacher Ladens vom Diakonischen Werk Marburg-Biedenkopf beim Dekanatskirchentag in Dautphe. Ob leicht und luftig oder warm und kuschelig: Die gebrauchte Kleidung aus dem Laden zeigte sich nicht nur schick und schön, sondern auch farblich aufeinander abgestimmt. Angelika Miehe, Mitarbeiterin im Laden, moderierte die Modenschau. Sie wies darauf hin, welche Kleidung zu welchem Anlass getragen werden kann und gleichzeitig der Jahreszeit angepasst zweckmäßig ist. Höhepunkt war eine Hochzeitsgesellschaft samt Braut und Bräutigam.

Alle Hände voll zu tun hatten die „Models“ beim Wechseln der Garderobe. Hier waren weitere Freiwillig Engagierte im Hintergrund aktiv und halfen mit, dass jeder Handgriff saß. Neben haupt-und ehrenamtlich Mitarbeitenden des Diakonischen Werkes wagten sich auch Pfarrer Klaus Neumeister und Detlef Ruffert, Mitglied der Kirchensynode der Evangelischen Kirche Hessen Nassau, zur flotten Musik auf den Laufsteg. Als evangelischer Pfarrer in Gladenbach unterstützt Neumeister seit der Eröffnung des Ladens die Idee, gespendete und gut erhaltende Kleidung zum kleinen Preis abzugeben. Ruffert konnte als „Pate“ für den Laden gewonnen werden. Auch er ließ sich von Diplom-Sozialpädagogin Agnes Protz vom Konzept begeistern. Jeder kann dort einkaufen, wer seine finanzielle Bedürftigkeit nachweist erhält eine Kundenkarte und damit die Kleidung zum halben Preis.

Dank engagierter ehrenamtlich Mitarbeitender und der Fördermittel von DRIN konnte der Laden im Vorjahr in größere Räume in die Marktstraße 7 in Gladenbach umziehen. Auch die Beratungsstelle des Diakonischen Werks ist inzwischen dort. Das Projekt DRIN „Dabei sein – Räume entdecken – initiativ werden – Nachbarschaft leben“ von Evangelischer Kirche Hessen Nassau und Diakonie Hessen leistet für drei Jahre eine Anschubfinanzierung. Die gut erhaltene Kleidung wird so stark nachgefragt, dass die ehrenamtlich Mitarbeitenden inzwischen sogar zusätzlich eine Öffnungszeit pro Monat samstags anbieten.

Oktoberfest im Café Hand in Hand in Gönnern

„Wir haben das Oktoberfest nach Gönnern geholt“, strahlte Diana Gillmann-Kamm im Café „Hand in Hand“ in Gönnern. Die Diplom-Sozialarbeiterin des Diakonischen Werks Marburg-Biedenkopf freute sich darüber, dass sie den Besuchern des Cafés für Menschen mit und ohne Demenz diesen jährlichen Höhepunkt mit tatkräftiger Unterstützung der Freiwillig Engagierten anbieten kann. Neben blau-weißer Tischdekoration und zünftiger Musik gehörten natürlich auch Brezeln, Weißwurst und Leberkäse zu einem solchen Fest. Die ehrenamtlich Mitarbeitenden bedienten ihre Gäste passenderweise in Dirndln und Lederhosen, so dass sich diese für einen Nachmittag wie bei einem Kurzurlaub in Bayern fühlen durften.

Denn mal eben nach Bayern zu reisen, ist auch nicht so ganz einfach, wie Gillmann-Kamm augenzwinkernd mit einem Witz veranschaulichte. Darin beklagte jemand, er habe bereits sechs „Reisetabletten“ genommen und sei immer noch zuhause. Mit weiteren lustigen Geschichten, gemeinsamem Singen und einem Oktoberfest-Bewegungsspiel ging der Nachmittag im Nu vorüber. Getreu dem Café-Motto ging auch zum Abschluss des Festes alles „Hand in Hand“: Während die ehrenamtlich Mitarbeitenden im Fahrdienst die Gäste nach Hause brachten, verwandelten die Helferinnen im Café „Klein Bayern“ wieder zurück in den Mehrzweckraum vom Pflege- und Altenheim Assmanns Mühle.

Dringende Bitte um Hilfe!

Verstanden werden und satt werden – dazu reicht es leider nicht mehr!

Weit über 400 geflüchtete Menschen sind 2017 bereits erstmals in die Beratungen des Diakonischen Werks Marburg-Biedenkopf gekommen. Vorwiegend natürlich in die Flüchtlings- und Migrationsberatung, aber auch in die Sozialberatung, die Erziehungsberatung, die Schwangerenberatung und die Suchtberatung. Dazu kommen all diejenigen, die bereits seit 2016 oder gar früher unsere Beratungen in Anspruch nehmen. Viele haben erstaunlich schnell und gut Deutsch gelernt. Für den Alltag reicht es in der Regel. Aber um tiefer gehende Probleme äußern und bearbeiten zu können, braucht es immer noch Dolmetscher. Eine qualifizierte Dolmetscherstunde kostet in der Regel mindestens ca. 35,-- Euro, oft mehr. In der Regel gibt es niemanden, der die Kosten übernimmt. Also tun wir das aus Spendenmitteln. 2017 haben wir dafür bis jetzt 1.500,-- Euro erhalten, aber bis Ende Juli schon 2.100,-- Euro aufwenden müssen, trotz größter Sparsamkeit. Wir brauchen dringend etwa 100 Menschen, die uns jeweils eine Dolmetscherstunde zu 35,-- Euro spenden!

Ähnlich sieht es mit den Lebensmittelpaketen aus, die wir für Bedürftige, die durch alle Raster fallen und auch gerade „Tafelpause“ (ja, das gibt es!) haben, bereitstellen. Auch da benötigen wir dringend 100 Menschen, die uns Wochenendpakete für ca. 10,-- Euro spenden!

Bitte spenden Sie auf unser Konto: IBAN DE81 5206 0410 0002 8001 01, Kontoinhaber: Kirchenkreisamt Kirchhain – Marburg  Verwendungszweck:  Spende DWMB Dolmetscher oder Spende DWMB Lebensmittel. Wenn Sie beim Verwendungszweck auch ihre Straße, Hausnummer und Postleitzahl angeben (Beispiel: Spende DWMB Dolmetscher Haspelstr. 5 35037), senden wir Ihnen gern eine Spendenbestätigung zu!

Stiftung DiaDem fördert Angebot für Menschen mit Demenz

Neues Café für Menschen mit und ohne Demenz
Diakonisches Werk Marburg Biedenkopf erhält Förderung

Für die Cafés für Menschen mit und ohne Demenz erhält das Diakonische Werk Marburg Biedenkopf 36.000 Euro vom Stiftungsfonds DiaDem. Die Mittel werden über einen Zeitraum von drei Jahren ausgezahlt und sind auch eine Anschubfinanzierung für das jüngste Projekt, das Café „Mittendrin“ in Dautphe. Mit herzlichen Grüßen des Stiftungsbeirats überbrachte Dr. Eberhard Schwarz, Vorstandsmitglied der Stiftung Diakonie Hessen, den symbolischen Scheck. Er gratulierte den Initiatoren zu dem Projekt im Familienzentrum „Vier Wände“ und hob als besonderen Pluspunkt an diesem Standort die Nähe zur Kindertagesstätte hervor. Dies sei auch Bestandteil des Konzeptes, wie Helmut Kretz mitteilte. Der Fachbereichsleiter und Koordinator im Diakonischen Werk Marburg Biedenkopf  erklärte: „Unter dem Motto Jung und Alt bewegt sich sind hier generationsübergreifende Begegnungen geplant.“

Davon profitierten Kinder und Senioren. Kinder gingen vorbehaltlos und unbefangen auf ältere und demente Menschen und deren Einschränkungen zu. Für sie entspräche es den eigenen Erfahrungen und sei völlig normal, wenn jemand etwas nicht kann. Das Café „Mittendrin“ ist nach den Cafés „Hand in Hand“ in Daupthetal-Holzhausen und Angelburg-Gönnern das dritte Begegnungscafé dieser Art in Kooperation mit verschiedenen Partnern, wie der Alzheimer-Gesellschaft Marburg-Biedenkopf und den Kommunen. „Wir möchten Menschen Teilhabe ermöglichen, die sonst überwiegend zuhause wären“, so Kretz. Gleichzeitig werden Angehörige entlastet, oder können vor Ort die mobile Beratung in Anspruch nehmen, die Diplom-Sozialarbeiterin Diana Gillmann-Kamm anbietet.

Jedes der Cafés hat an einem anderen Wochentag geöffnet, so dass auch mithilfe des ehrenamtlichen Fahrdienstes mehrere Cafébesuche pro Woche möglich sind. Ehrenamtlich Mitarbeitende gestalten die Nachmittage und bewirten die Gäste. Mit einem bunten Programm an allen drei Standorten werden die Sinne der Teilnehmer angeregt und die vorhandenen Gaben gestärkt. „Ohne die vielen Menschen, die sich ehrenamtlich einbringen, gäbe es dieses Projekt nicht“, verdeutlichte Kretz.  Menschen, die sich sinnstiftend einsetzen möchten, sind daher jederzeit herzlich willkommen. Schulung und Begleitung der ehrenamtlich Mitarbeitenden sind ebenfalls fester Bestandteil des Konzeptes.

Auch Helmut Giebeler, der als Vorstandsmitglied des Diakonischen Werks Marburg Biedenkopf in Vertretung des Geschäftsführers Ulrich Kling-Böhm gekommen war, zeigte sich sehr angetan von der Idee. Er erklärte, aufgrund dessen, was er an dem Nachmittag an Begegnung erlebt habe und mit welchem Engagement das Projekt aufgebaut werde, sei er sicher, dass die Zuwendung der Stiftung DiaDem gut angelegt sei. Dr. Eberhard Schwarz bestätigte, der Stiftungsbeirat wisse, dass hier eine gute Arbeit im Sinne der Stiftung geleistet werde. Zu den Zielen des Stiftungsfonds DiaDem gehört in erster Linie die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz, besonders durch wohnortnahe Beratung und Hilfe, sowie die Förderung von Initiativen für Familien und geschulte Freiwillige.

Der "Laden" in Gladenbach

Ehrenamtlich Mitarbeitende mit Agnes Protz und Detlef Ruffert (links), Helmut Kretz (hinten Mitte) und Pfarrer Klaus Neumeister (rechts)

Ehrenamtliche für Samstagsöffnung gesucht

Beim ersten Geburtstag darf der Patenonkel natürlich nicht fehlen: Der „Laden“ des Diakonischen Werks Marburg-Biedenkopf ist seit einem Jahr in der Marktstraße 7 in Gladenbach. Die Patenschaft für das soziale Angebot hat nun Detlef Ruffert als Synodaler der Landeskirche übernommen. Dass der Laden gut erhaltene Kleidung zum kleinen Preis bietet, wüssten gerade junge Familien zu schätzen, erzählen ihm die ehrenamtlich Mitarbeitenden. Menschen, die ihre finanzielle Bedürftigkeit nachweisen, erhalten die Ware zum halben Preis. Möglich geworden ist die Umsetzung des Konzepts durch engagierte ehrenamtlich Mitarbeitende und Kleiderspenden aus der Bevölkerung, sowie mit Hilfe der Fördermittel von DRIN (Dabei sein, Räume entdecken, initiativ werden, Nachbarschaft leben), einem Projekt der Evangelischen Kirche Hessen Nassau und der Diakonie Hessen. Das Konzept des Ladens mit niedrigschwelligem Zugang zur Beratungsstelle überzeugte die Geldgeber. Um den Laden bei der Kirchensynode vertreten zu wissen, wünschten sie einen „Paten“ aus der Synode der Landeskirche. Detlef Ruffert freut sich, dass Diplom-Sozialpädagogin Agnes Protz diesbezüglich auf ihn zugegangen ist: „Wenn man direkt angesprochen wird, kann man eine viel stärkere Beziehung dazu entwickeln.“ Ihm gefällt die Kombination von Einkauf, Reparaturtreff und Begegnungs-Ecke. Die Beratungsangebote des Diakonischen Werkes sind seit einem halben Jahr an derselben Adresse. Helmut Kretz, Fachbereichsleiter und Koordinator im Diakonischen Werk, sagt: „Ich war gespannt, ob die beiden Angebote angenommen werden.“ Er stellt fest, dass dies offenbar gelingt. Die ehrenamtlich Mitarbeitenden sind vor allem mit Blick auf die Kunden dankbar für die räumliche Verbesserung durch den Umzug. Für viele Kunden sei der Laden eine wichtige Möglichkeit, ihre Haushaltskasse zu entlasten. „Aber auch Kunden, die es finanziell nicht nötig haben, finden inzwischen Gefallen an Second-Hand-Bekleidung“, so Kretz. Damit trügen sie dazu bei, die Umwelt zu schonen. Für die nähere Zukunft wünscht Protz eine Öffnungszeit am Samstag und ist hierfür auf der Suche nach weiteren ehrenamtlich Mitarbeitenden. Wer Interesse hat, sich samstags zwei bis drei Stunden im Laden zu engagieren, kann sich mit ihr in Verbindung setzen; telefonisch unter 06462-6558 oder per Mail: agnes.protz@ekkw.de.

Integrative Nähstube

Im Auftrag des Diakonischen Werks Marburg-Biedenkopf begleiteten Fachabiturienten der Beruflichen Schulen Biedenkopf den Aufbau einer „Integrativen Nähstube“. Das Projekt ist ein Baustein von vielen in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe des Diakonischen Werkes im Rahmen des Hinterländer Netzwerk Nachbarschaftshilfe. In erster Linie geht es darum, dass sich Flüchtlingsfrauen und einheimische Frauen bei einem gemeinsamen Hobby begegnen und kennenlernen können. Einige Nähmaschinen waren bereits vorhanden, die Schüler hatten den Auftrag, nach weiterer Ausstattung für die Nähstube zu recherchieren. So wurden beispielsweise Bürodrehstühle für die Arbeitsplätze benötigt, aber auch Stoff zum Verarbeiten und eine Schneiderpuppe stand auf der Auftragsliste. Zudem hatten sich die Abiturienten aus dem Bereich Wirtschaft und Verwaltung über einen möglichen Verkauf der hergestellten Produkte Gedanken gemacht. Sie regten an, dazu den gemeinsamen Laden „Jacke wie Hose“ von Deutschen Rotem Kreuz und Diakonischem Werk zu nutzen. Inzwischen wird die „Integrative Nähstube“ montags von 10 bis 11:30 Uhr genutzt und es sind schon einige selbstgenähte Taschen entstanden, zum Teil  aus aussortierter Kleidung des Ladens. Die Schüler stellten bei ihrer Präsentation fest, dass die Frauen bereits einige Vorkenntnisse haben und sehr selbstständig arbeiten und dass sie sich schon überraschend gut in deutscher Sprache mit der Kursleiterin verständigen können. Begleitend zum Aufbau der Nähstube hatten sich die Heranwachsenden mit der Situation der Flüchtlinge befasst und einen in Biedenkopf lebenden Flüchtling interviewt. Der Mann war in seiner Heimat als Lehrer tätig und konnte inzwischen seine Frau und die beiden Kinder nach Biedenkopf holen. „Man hat ihm angemerkt, dass sie eine schwere Vergangenheit hinter sich haben“, sagte Nora Veseli sichtlich beeindruckt bei der Präsentation.

Die Beruflichen Schulen Biedenkopf kooperieren seit vielen Jahren mit heimischen Firmen, um die Abiturienten möglichst lebensnahe Präsentationsaufträge bearbeiten zu lassen. Das Diakonische Werk ist seit Beginn dabei und sieht in der Kooperation Vorteile für Schüler und Unternehmen. Helmut Kretz, Koordinator und Fachbereichsleiter im Diakonischen Werk dankte den Schülern für ihre Anstöße und sagte: „Die Arbeit der jungen Leute hilft, ein Projekt voranzubringen und ihre Ergebnisse ermutigen uns zum Weitermachen.“ Nach einigen abschließenden Fragen durch ihren Lehrer Matthias Kamm hatten die Schüler dann ihre Prüfung geschafft. Die integrative Nähstube dagegen steht noch ganz am Anfang. Am Nähen interessierte Frauen können sich gerne beim Diakonischen Werk melden, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich und das Projekt ist für die Teilnehmerinnen kostenfrei. Auch Sachspenden wie Stoffe, Knöpfe, Reißverschlüsse und ähnliches werden gerne angenommen. Ansprechpartnerin ist Juliane Ferchland, Telefon 06461-95400, Mail: pforte.biedenkopf@ekkw.de

Saisonstart im Café "Hand in Hand"

Viel zu erzählen hatten sich die Besucher nach der Winterpause im Café „Hand in Hand“ in Gönnern. Ab sofort ist das Café des Diakonischen Werkes Marburg-Biedenkopf wieder jeden Donnerstag von 14:30 bis 17:00 Uhr geöffnet. Menschen mit und ohne Demenz können sich hier begegnen, miteinander reden, lachen und singen.

Diplom-Sozialarbeiterin Diana Gillmann-Kamm freute sich, dass zum Auftakt so viele Besucher gekommen waren. Mit der Geschichte der kleinen Perle wies sie auf die Bedeutung von Freundschaft und herzlichen Beziehungen hin, wie sie auch im Laufe der beiden vergangenen Jahre im Café entstanden sind. Neben der Möglichkeit, sich zu begegnen, bietet das Café auch wieder ein buntes Programm: In den nächsten Wochen sind unter anderem ein musikalischer Nachmittag, Bingo und die „Donnerstagsmaler“ geplant. Zudem bietet Gillmann-Kamm vor Ort kostenfreie Beratung zu Fragen rund um Pflege, Demenz und Entlastung Angehöriger an.

Währenddessen werden die Gäste aufmerksam von ehrenamtlich Mitarbeitenden bewirtet. Sie bringen Kuchen, füllen Kaffee nach, suchen auch schon mal nach einer vermissten Jacke oder gehen mit jemandem ein Stück spazieren. Der Dienst für die Senioren, die sich stets auf den wöchentlichen Café-Besuch freuen, macht ihnen große Freude. Die freiwillig Mitarbeitenden wünschen noch weitere Mitstreiter, die das Projekt unterstützen. Dabei könnte der Einsatz ebenso im Café erfolgen, wie im „Abhol- und Heimfahrdienst“, der für die Gäste angeboten wird. Wer sich näher über eine ehrenamtliche Tätigkeit informieren möchte, kann gerne zu den Öffnungszeiten ins Café in der „Assmanns Mühle“ in Gönnern kommen oder direkt mit Diana Gillmann-Kamm Kontakt aufnehmen, Telefon: 06461-954014 oder per E-Mail diana.gillmann-kamm@ekkw.de.

Besuch der Oberlandeskirchenrätin

Fachbereichsleiter Helmut Kretz, Frank Harries, Dieter Schmitz, Ober- landeskirchenrätin Dr. Ruth Gütter, Geschäftsführer Ulrich Kling-Böhm

 

Gleich drei Standorte des Diakonischen Werks Marburg-Biedenkopf konnte Oberlandeskirchenrätin Dr. Ruth Gütter jetzt kennenlernen: Das Beratungsangebot in der Haspelstraße 5 und die Tagesaufenthaltsstätte für wohnungslose Menschen in der Gisselbergerstraße 35 in Marburg (TAS), sowie den Kleiderladen in Gladenbach. 

Damit erlebte sie einen Ausschnitt der vielfältigen diakonischen Angebote und deren Präsenz auf Landkreisebene. Die Dezernentin für Diakonie und Ökumene der Evangelischen Kirche Kurhessen Waldeck war sehr interessiert an den Aufgabenfeldern des Diakonischen Werkes und stand in der Gesprächsrunde mit Geschäftsführer Ulrich Kling-Böhm und den Fachbereichsleitern für Fragen zur Verfügung.  

 

Investition in soziale Gerechtigkeit

 

Dabei ging es auch um die Sicherung der Kernaufgaben und Mitarbeiterzufriedenheit angesichts zurückgehender Finanzzuweisungen. Dieter Schmitz, Fachbereichsleiter der Sucht- und Drogenberatung plädierte: "Nicht von einer Defizitfinanzierung reden, sondern von Investitionen in soziale Gerechtigkeit", und fand damit große Zustimmung bei der Dezernentin. Weitere Themen waren die Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden und Kirchenkreisen, Ehrenamt und professionelle Arbeit, das Engagement für Frauen, Kinder, Familien und die Flüchtlingsarbeit.

Tagesaufenthaltsstätte und Kleiderladen 

 

Anschließend stand der Besuch in der Tagesaufenthaltsstätte für wohnungslose Menschen auf dem Programm, mit einer Führung durch die Einrichtung, Gesprächen mit Mitarbeitenden und Nutzern und dem Thema Gesundheitsvorsorge. Zudem nutzten die Besucher die Gelegenheit, das Mittagessen in der TAS zu kosten. Der letzte Anlaufpunkt war der Laden mit gut erhaltenen Kleidungsstücken in Gladenbach. Hier sind seit Oktober 2016 Beratungsangebot und Sachhilfen an einer Adresse. Durch die Möglichkeit in angenehmer Atmosphäre einzukaufen, ist es für Menschen mit verschiedenen Problemlagen oftmals leichter, auch die Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen. Dr. Gütter begrüßte auch den ökologischen Wert des Gebrauchtkleiderladens. Für sie seien Fairtrade und Ressourcenschonung wichtige Grundsätze.

Der Laden in Gladenbach: Soziales Angebot und Umweltschutz
Das Team der TAS mit Dr. Ruth Gütter und Ulrich Kling-Böhm

"Das ist ein Gewinn für alle!"

Ehrenamtlicher Einsatz im Diakonischen Werk

Sie tun, was ihnen wichtig ist, sie machen es immer unbezahlt - aber niemals umsonst: Freiwillig Engagierte, die Zeit und ein Lächeln schenken, die ihre Gaben und Fähigkeiten einsetzen, um anderen Menschen zu helfen. Und die damit eine manchmal ziemlich kalte Welt etwas wärmer machen. Im Diakonischen Werk Marburg-Biedenkopf bringen sich ehrenamtlich Mitarbeitende in den Kleiderläden, den Suchtselbsthilfegruppen, den Demenzcafés, der Flüchtlingshilfe und in der Tagesaufenthaltsstätte für wohnungslose Menschen (TAS) ein.  

Einen ganz besonderen ehrenamtlichen Einsatz in der TAS leisten zwei Ärztinnen. Jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat stehen sie in der Zeit von 14 bis etwa 16 Uhr den Besuchern der Aufenthaltsstätte mit einem offenen Ohr für Alltagsprobleme und ihrem beruflichen Fachwissen zur Verfügung. Seit etwa 10 Jahren spendet Anne-Marie Krehbiel einen Teil ihrer Freizeit für dieses Angebot. Die 63-jährige ist seit 1983 als Ärztin für Allgemeinmedizin in Stadtallendorf niedergelassen. Dr. Monika Stützer engagiert sich seit 2014 in der TAS. Die 67jährige suchte nach dem Eintritt in den Ruhestand eine ehrenamtliche Tätigkeit. Im folgenden Interview schildern beide ihre Erfahrungen und Eindrücke aus diesem Freiwilligen Engagement.

Warum ist dieses Angebot für die Besucher der TAS so wichtig?


Anne-Marie Krehbiel
„Ich glaube dass die Besucher der TAS schätzen, dass sie an einen Arzt geraten, der mehr Zeit hat für ein Gespräch. Wir können auch ein Kassenrezept oder eine Überweisung ausschreiben, das ist sicher leichter und schneller als in einer gängigen ärztlichen Praxis.“

Dr. Monika Stützer
„Es ist die Praxis des kurzen Weges und schnellen Tagestermins ohne bürokratische Hürden, auch wenn keine Krankenversicherung besteht.“

Aus welchen Gründen haben Sie sich für diesen freiwilligen Einsatz entschieden?

Anne-Marie Krehbiel
„Mich hat vor 10 Jahren interessiert, in welchem Umfang Obdachlose erkrankt sind.“

Dr. Monika Stützer
„Ich las von der Suche einer ehrenamtlichen Hilfe in der Zeitung und in einem Rundbrief unserer Ärztegenossenschaft PRIMA in Marburg. Weil ich kurz danach in Rente ging und eine solche Aufgabe im Sinn hatte, passte das zusammen. Zumal eine noch praktizierende Kollegin mit im Boot ist, erleichtert das unsere Arbeit.“

Welche Anliegen haben die Menschen, die hier zu Ihnen kommen?

Anne-Marie Krehbiel
„Die Patienten suchen in erster Linie ein Gespräch.“

Dr. Monika Stützer
„Aktuelle körperliche Behandlung ist selten nötig. Die Mehrzahl der Menschen hat eine Vielzahl von oft chronischen Beschwerden und Problemen, die nicht leicht lösbar sind. Haus- und Fachärzte werden unregelmäßig oder gar nicht aufgesucht. Viel Frustration ist aufgestaut über widrige Lebens- und Sozialbedingungen und Institutionen.“

Was ist Ihr persönlicher Gewinn aus dieser Tätigkeit?

Anne-Marie Krehbiel
„Ich habe gelernt, dass Obdachlose sehr kranke Menschen sind. Der erste Patient der kam hat zeitgleich mit mir in den 70er Jahren Physik studiert. Ich kenne ihn aus der Zeit und hatte immer mal wieder mit ihm Kontakt.“

Dr. Monika Stützer
„Ich kann manchmal Rat geben und gesundheitliche Zusammenhänge erklären. Meist ist Zeit dazu, die es in laufender Praxis nicht gibt. Als „Blitzableiter“ kann ich Aggressionen abfangen und ich freue mich darüber, wenn jemand ausgeglichener wird und auf seine Belange achtet. Das ist ein Gewinn für alle!“

Herzlichen Dank Frau Krehbiel und Frau Dr. Stützer für dieses offene Interview!

Weitere Informationen zum Ehrenamtlichen Einsatz im Diakonischen Werk

 


Ehrenamtlich setzen sich zwei Ärztinnen in der TAS ein. Sie behandeln, hören zu und nehmen sich Zeit für ihre Patienten.

Blick ins Behandlungszimmer