Dringende Bitte um Hilfe!

Verstanden werden und satt werden – dazu reicht es leider nicht mehr!

Weit über 400 geflüchtete Menschen sind 2017 bereits erstmals in die Beratungen des Diakonischen Werks Marburg-Biedenkopf gekommen. Vorwiegend natürlich in die Flüchtlings- und Migrationsberatung, aber auch in die Sozialberatung, die Erziehungsberatung, die Schwangerenberatung und die Suchtberatung. Dazu kommen all diejenigen, die bereits seit 2016 oder gar früher unsere Beratungen in Anspruch nehmen. Viele haben erstaunlich schnell und gut Deutsch gelernt. Für den Alltag reicht es in der Regel. Aber um tiefer gehende Probleme äußern und bearbeiten zu können, braucht es immer noch Dolmetscher. Eine qualifizierte Dolmetscherstunde kostet in der Regel mindestens ca. 35,-- Euro, oft mehr. In der Regel gibt es niemanden, der die Kosten übernimmt. Also tun wir das aus Spendenmitteln. 2017 haben wir dafür bis jetzt 1.500,-- Euro erhalten, aber bis Ende Juli schon 2.100,-- Euro aufwenden müssen, trotz größter Sparsamkeit. Wir brauchen dringend etwa 100 Menschen, die uns jeweils eine Dolmetscherstunde zu 35,-- Euro spenden!

Ähnlich sieht es mit den Lebensmittelpaketen aus, die wir für Bedürftige, die durch alle Raster fallen und auch gerade „Tafelpause“ (ja, das gibt es!) haben, bereitstellen. Auch da benötigen wir dringend 100 Menschen, die uns Wochenendpakete für ca. 10,-- Euro spenden!

Bitte spenden Sie auf unser Konto: IBAN DE81 5206 0410 0002 8001 01, Kontoinhaber: Kirchenkreisamt Kirchhain – Marburg  Verwendungszweck:  Spende DWMB Dolmetscher oder Spende DWMB Lebensmittel. Wenn Sie beim Verwendungszweck auch ihre Straße, Hausnummer und Postleitzahl angeben (Beispiel: Spende DWMB Dolmetscher Haspelstr. 5 35037), senden wir Ihnen gern eine Spendenbestätigung zu!

Stiftung DiaDem fördert Angebot für Menschen mit Demenz

Neues Café für Menschen mit und ohne Demenz
Diakonisches Werk Marburg Biedenkopf erhält Förderung

Für die Cafés für Menschen mit und ohne Demenz erhält das Diakonische Werk Marburg Biedenkopf 36.000 Euro vom Stiftungsfonds DiaDem. Die Mittel werden über einen Zeitraum von drei Jahren ausgezahlt und sind auch eine Anschubfinanzierung für das jüngste Projekt, das Café „Mittendrin“ in Dautphe. Mit herzlichen Grüßen des Stiftungsbeirats überbrachte Dr. Eberhard Schwarz, Vorstandsmitglied der Stiftung Diakonie Hessen, den symbolischen Scheck. Er gratulierte den Initiatoren zu dem Projekt im Familienzentrum „Vier Wände“ und hob als besonderen Pluspunkt an diesem Standort die Nähe zur Kindertagesstätte hervor. Dies sei auch Bestandteil des Konzeptes, wie Helmut Kretz mitteilte. Der Fachbereichsleiter und Koordinator im Diakonischen Werk Marburg Biedenkopf  erklärte: „Unter dem Motto Jung und Alt bewegt sich sind hier generationsübergreifende Begegnungen geplant.“

Davon profitierten Kinder und Senioren. Kinder gingen vorbehaltlos und unbefangen auf ältere und demente Menschen und deren Einschränkungen zu. Für sie entspräche es den eigenen Erfahrungen und sei völlig normal, wenn jemand etwas nicht kann. Das Café „Mittendrin“ ist nach den Cafés „Hand in Hand“ in Daupthetal-Holzhausen und Angelburg-Gönnern das dritte Begegnungscafé dieser Art in Kooperation mit verschiedenen Partnern, wie der Alzheimer-Gesellschaft Marburg-Biedenkopf und den Kommunen. „Wir möchten Menschen Teilhabe ermöglichen, die sonst überwiegend zuhause wären“, so Kretz. Gleichzeitig werden Angehörige entlastet, oder können vor Ort die mobile Beratung in Anspruch nehmen, die Diplom-Sozialarbeiterin Diana Gillmann-Kamm anbietet.

Jedes der Cafés hat an einem anderen Wochentag geöffnet, so dass auch mithilfe des ehrenamtlichen Fahrdienstes mehrere Cafébesuche pro Woche möglich sind. Ehrenamtlich Mitarbeitende gestalten die Nachmittage und bewirten die Gäste. Mit einem bunten Programm an allen drei Standorten werden die Sinne der Teilnehmer angeregt und die vorhandenen Gaben gestärkt. „Ohne die vielen Menschen, die sich ehrenamtlich einbringen, gäbe es dieses Projekt nicht“, verdeutlichte Kretz.  Menschen, die sich sinnstiftend einsetzen möchten, sind daher jederzeit herzlich willkommen. Schulung und Begleitung der ehrenamtlich Mitarbeitenden sind ebenfalls fester Bestandteil des Konzeptes.

Auch Helmut Giebeler, der als Vorstandsmitglied des Diakonischen Werks Marburg Biedenkopf in Vertretung des Geschäftsführers Ulrich Kling-Böhm gekommen war, zeigte sich sehr angetan von der Idee. Er erklärte, aufgrund dessen, was er an dem Nachmittag an Begegnung erlebt habe und mit welchem Engagement das Projekt aufgebaut werde, sei er sicher, dass die Zuwendung der Stiftung DiaDem gut angelegt sei. Dr. Eberhard Schwarz bestätigte, der Stiftungsbeirat wisse, dass hier eine gute Arbeit im Sinne der Stiftung geleistet werde. Zu den Zielen des Stiftungsfonds DiaDem gehört in erster Linie die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz, besonders durch wohnortnahe Beratung und Hilfe, sowie die Förderung von Initiativen für Familien und geschulte Freiwillige.

Der "Laden" in Gladenbach

Ehrenamtlich Mitarbeitende mit Agnes Protz und Detlef Ruffert (links), Helmut Kretz (hinten Mitte) und Pfarrer Klaus Neumeister (rechts)

Ehrenamtliche für Samstagsöffnung gesucht

Beim ersten Geburtstag darf der Patenonkel natürlich nicht fehlen: Der „Laden“ des Diakonischen Werks Marburg-Biedenkopf ist seit einem Jahr in der Marktstraße 7 in Gladenbach. Die Patenschaft für das soziale Angebot hat nun Detlef Ruffert als Synodaler der Landeskirche übernommen. Dass der Laden gut erhaltene Kleidung zum kleinen Preis bietet, wüssten gerade junge Familien zu schätzen, erzählen ihm die ehrenamtlich Mitarbeitenden. Menschen, die ihre finanzielle Bedürftigkeit nachweisen, erhalten die Ware zum halben Preis. Möglich geworden ist die Umsetzung des Konzepts durch engagierte ehrenamtlich Mitarbeitende und Kleiderspenden aus der Bevölkerung, sowie mit Hilfe der Fördermittel von DRIN (Dabei sein, Räume entdecken, initiativ werden, Nachbarschaft leben), einem Projekt der Evangelischen Kirche Hessen Nassau und der Diakonie Hessen. Das Konzept des Ladens mit niedrigschwelligem Zugang zur Beratungsstelle überzeugte die Geldgeber. Um den Laden bei der Kirchensynode vertreten zu wissen, wünschten sie einen „Paten“ aus der Synode der Landeskirche. Detlef Ruffert freut sich, dass Diplom-Sozialpädagogin Agnes Protz diesbezüglich auf ihn zugegangen ist: „Wenn man direkt angesprochen wird, kann man eine viel stärkere Beziehung dazu entwickeln.“ Ihm gefällt die Kombination von Einkauf, Reparaturtreff und Begegnungs-Ecke. Die Beratungsangebote des Diakonischen Werkes sind seit einem halben Jahr an derselben Adresse. Helmut Kretz, Fachbereichsleiter und Koordinator im Diakonischen Werk, sagt: „Ich war gespannt, ob die beiden Angebote angenommen werden.“ Er stellt fest, dass dies offenbar gelingt. Die ehrenamtlich Mitarbeitenden sind vor allem mit Blick auf die Kunden dankbar für die räumliche Verbesserung durch den Umzug. Für viele Kunden sei der Laden eine wichtige Möglichkeit, ihre Haushaltskasse zu entlasten. „Aber auch Kunden, die es finanziell nicht nötig haben, finden inzwischen Gefallen an Second-Hand-Bekleidung“, so Kretz. Damit trügen sie dazu bei, die Umwelt zu schonen. Für die nähere Zukunft wünscht Protz eine Öffnungszeit am Samstag und ist hierfür auf der Suche nach weiteren ehrenamtlich Mitarbeitenden. Wer Interesse hat, sich samstags zwei bis drei Stunden im Laden zu engagieren, kann sich mit ihr in Verbindung setzen; telefonisch unter 06462-6558 oder per Mail: agnes.protz@ekkw.de.

Integrative Nähstube

Im Auftrag des Diakonischen Werks Marburg-Biedenkopf begleiteten Fachabiturienten der Beruflichen Schulen Biedenkopf den Aufbau einer „Integrativen Nähstube“. Das Projekt ist ein Baustein von vielen in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe des Diakonischen Werkes im Rahmen des Hinterländer Netzwerk Nachbarschaftshilfe. In erster Linie geht es darum, dass sich Flüchtlingsfrauen und einheimische Frauen bei einem gemeinsamen Hobby begegnen und kennenlernen können. Einige Nähmaschinen waren bereits vorhanden, die Schüler hatten den Auftrag, nach weiterer Ausstattung für die Nähstube zu recherchieren. So wurden beispielsweise Bürodrehstühle für die Arbeitsplätze benötigt, aber auch Stoff zum Verarbeiten und eine Schneiderpuppe stand auf der Auftragsliste. Zudem hatten sich die Abiturienten aus dem Bereich Wirtschaft und Verwaltung über einen möglichen Verkauf der hergestellten Produkte Gedanken gemacht. Sie regten an, dazu den gemeinsamen Laden „Jacke wie Hose“ von Deutschen Rotem Kreuz und Diakonischem Werk zu nutzen. Inzwischen wird die „Integrative Nähstube“ montags von 10 bis 11:30 Uhr genutzt und es sind schon einige selbstgenähte Taschen entstanden, zum Teil  aus aussortierter Kleidung des Ladens. Die Schüler stellten bei ihrer Präsentation fest, dass die Frauen bereits einige Vorkenntnisse haben und sehr selbstständig arbeiten und dass sie sich schon überraschend gut in deutscher Sprache mit der Kursleiterin verständigen können. Begleitend zum Aufbau der Nähstube hatten sich die Heranwachsenden mit der Situation der Flüchtlinge befasst und einen in Biedenkopf lebenden Flüchtling interviewt. Der Mann war in seiner Heimat als Lehrer tätig und konnte inzwischen seine Frau und die beiden Kinder nach Biedenkopf holen. „Man hat ihm angemerkt, dass sie eine schwere Vergangenheit hinter sich haben“, sagte Nora Veseli sichtlich beeindruckt bei der Präsentation.

Die Beruflichen Schulen Biedenkopf kooperieren seit vielen Jahren mit heimischen Firmen, um die Abiturienten möglichst lebensnahe Präsentationsaufträge bearbeiten zu lassen. Das Diakonische Werk ist seit Beginn dabei und sieht in der Kooperation Vorteile für Schüler und Unternehmen. Helmut Kretz, Koordinator und Fachbereichsleiter im Diakonischen Werk dankte den Schülern für ihre Anstöße und sagte: „Die Arbeit der jungen Leute hilft, ein Projekt voranzubringen und ihre Ergebnisse ermutigen uns zum Weitermachen.“ Nach einigen abschließenden Fragen durch ihren Lehrer Matthias Kamm hatten die Schüler dann ihre Prüfung geschafft. Die integrative Nähstube dagegen steht noch ganz am Anfang. Am Nähen interessierte Frauen können sich gerne beim Diakonischen Werk melden, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich und das Projekt ist für die Teilnehmerinnen kostenfrei. Auch Sachspenden wie Stoffe, Knöpfe, Reißverschlüsse und ähnliches werden gerne angenommen. Ansprechpartnerin ist Juliane Ferchland, Telefon 06461-95400, Mail: pforte.biedenkopf@ekkw.de

Die jungen Musikanten mit Silvia Salzbauer, Stefan Briel, Thomas Salzbauer und Helmut Kretz

Integrative Musikwerkstatt

„Musik kennt keine Grenzen.“ Davon ist Silvia Salzbauer überzeugt. Gemeinsam mit Stefan Briel und ihrem Mann Thomas Salzbauer leitet die Musikerin seit einigen Wochen die „Integrative Musikwerkstatt“ im Diakonischen Werk in Biedenkopf. Kinder von Deutschen, Migranten und Flüchtlingen können hier gemeinsam musizieren. Damit bietet die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe des Diakonischen Werkes im Rahmen des Hinterländer Netzwerk Nachbarschaftshilfe eine weitere Möglichkeit zur Integration von Flüchtlingen. „Musik verbindet – das geht über Sprachbarrieren hinweg“, sagt auch Thomas Salzbauer. Ihm macht das Projekt großen Spaß, vor allem der Lerneifer der jungen Schülerinnen und Schüler. 15 Kinder im Alter von 6 bis 17 Jahren kommen derzeit regelmäßig samstags in die „Integrative Musikwerkstatt“. Zum nächsten Treffen am 22. April, in der Zeit von 11 bis 12 Uhr, können gerne noch weitere Musikbegeisterte dieser Altersklasse hinzukommen. Gemeinsam haben die Kinder schon Musikwünsche zusammengetragen, darunter auch „Alle Vögel sind schon da“ und „Auf der Mauer, auf der Lauer“. Derzeit wird gerade der „Bruder Jakob“ eingeübt, mit Gesang und Instrumenten, wie Flöte, Gitarre, Ukulele, Keyboard und sogar einer Geige. Zu Beginn der Übungsstunde werden die jungen Musikanten hierfür in drei Gruppen eingeteilt und am Ende kommen wieder alle in einen Raum, um das Erlernte zusammen zu spielen. „Die Musikwerkstatt ermöglicht einen Einstieg, sich musikalisch auszuprobieren“, sagt Silvia Salzbauer. „Durch das gemeinsame Musizieren entsteht Integration.“ Das sieht auch Helmut Kretz so. Der Koordinator und Fachbereichsleiter im Diakonischen Werk freut sich, dass das Ehepaar Salzbauer und Stefan Briel das fachliche Wissen und Können ehrenamtlich zur Verfügung stellen. „Das Projekt hat mehrere Aspekte“, verdeutlicht Kretz. Neben der integrativen Variante und der musikalischen Förderung lernten die jungen Teilnehmer auch soziale Kompetenzen und die Kinder von Geflüchteten können quasi nebenbei die deutsche Sprache erlernen. Natürlich möchten die jungen Musiker ihr Können auch mal bei öffentlichen Auftritten unter Beweis stellen. Über Ideen für Auftrittsmöglichkeiten würden sich die Beteiligten sehr freuen. Wer noch an dem kostenfreien Projekt teilnehmen möchte, oder die „Integrative Musikwerkstatt“ mit gespendeten Instrumenten unterstützen möchte, kann sich mit Silvia Salzbauer in Verbindung setzen, Telefon: 0176 3867 1998 oder Mail: silvia(at)salzbauer.com. Gesucht werden zurzeit noch Gitarren, tragbare Keyboards, Flöten, Cachons, Melodikas und eine Geige.

Saisonstart im Café "Hand in Hand"

Viel zu erzählen hatten sich die Besucher nach der Winterpause im Café „Hand in Hand“ in Gönnern. Ab sofort ist das Café des Diakonischen Werkes Marburg-Biedenkopf wieder jeden Donnerstag von 14:30 bis 17:00 Uhr geöffnet. Menschen mit und ohne Demenz können sich hier begegnen, miteinander reden, lachen und singen.

Diplom-Sozialarbeiterin Diana Gillmann-Kamm freute sich, dass zum Auftakt so viele Besucher gekommen waren. Mit der Geschichte der kleinen Perle wies sie auf die Bedeutung von Freundschaft und herzlichen Beziehungen hin, wie sie auch im Laufe der beiden vergangenen Jahre im Café entstanden sind. Neben der Möglichkeit, sich zu begegnen, bietet das Café auch wieder ein buntes Programm: In den nächsten Wochen sind unter anderem ein musikalischer Nachmittag, Bingo und die „Donnerstagsmaler“ geplant. Zudem bietet Gillmann-Kamm vor Ort kostenfreie Beratung zu Fragen rund um Pflege, Demenz und Entlastung Angehöriger an.

Währenddessen werden die Gäste aufmerksam von ehrenamtlich Mitarbeitenden bewirtet. Sie bringen Kuchen, füllen Kaffee nach, suchen auch schon mal nach einer vermissten Jacke oder gehen mit jemandem ein Stück spazieren. Der Dienst für die Senioren, die sich stets auf den wöchentlichen Café-Besuch freuen, macht ihnen große Freude. Die freiwillig Mitarbeitenden wünschen noch weitere Mitstreiter, die das Projekt unterstützen. Dabei könnte der Einsatz ebenso im Café erfolgen, wie im „Abhol- und Heimfahrdienst“, der für die Gäste angeboten wird. Wer sich näher über eine ehrenamtliche Tätigkeit informieren möchte, kann gerne zu den Öffnungszeiten ins Café in der „Assmanns Mühle“ in Gönnern kommen oder direkt mit Diana Gillmann-Kamm Kontakt aufnehmen, Telefon: 06461-954014 oder per E-Mail diana.gillmann-kamm@ekkw.de.

Besuch der Oberlandeskirchenrätin

Fachbereichsleiter Helmut Kretz, Frank Harries, Dieter Schmitz, Ober- landeskirchenrätin Dr. Ruth Gütter, Geschäftsführer Ulrich Kling-Böhm

 

Gleich drei Standorte des Diakonischen Werks Marburg-Biedenkopf konnte Oberlandeskirchenrätin Dr. Ruth Gütter jetzt kennenlernen: Das Beratungsangebot in der Haspelstraße 5 und die Tagesaufenthaltsstätte für wohnungslose Menschen in der Gisselbergerstraße 35 in Marburg (TAS), sowie den Kleiderladen in Gladenbach. 

Damit erlebte sie einen Ausschnitt der vielfältigen diakonischen Angebote und deren Präsenz auf Landkreisebene. Die Dezernentin für Diakonie und Ökumene der Evangelischen Kirche Kurhessen Waldeck war sehr interessiert an den Aufgabenfeldern des Diakonischen Werkes und stand in der Gesprächsrunde mit Geschäftsführer Ulrich Kling-Böhm und den Fachbereichsleitern für Fragen zur Verfügung.  

 

Investition in soziale Gerechtigkeit

 

Dabei ging es auch um die Sicherung der Kernaufgaben und Mitarbeiterzufriedenheit angesichts zurückgehender Finanzzuweisungen. Dieter Schmitz, Fachbereichsleiter der Sucht- und Drogenberatung plädierte: "Nicht von einer Defizitfinanzierung reden, sondern von Investitionen in soziale Gerechtigkeit", und fand damit große Zustimmung bei der Dezernentin. Weitere Themen waren die Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden und Kirchenkreisen, Ehrenamt und professionelle Arbeit, das Engagement für Frauen, Kinder, Familien und die Flüchtlingsarbeit.

Tagesaufenthaltsstätte und Kleiderladen 

 

Anschließend stand der Besuch in der Tagesaufenthaltsstätte für wohnungslose Menschen auf dem Programm, mit einer Führung durch die Einrichtung, Gesprächen mit Mitarbeitenden und Nutzern und dem Thema Gesundheitsvorsorge. Zudem nutzten die Besucher die Gelegenheit, das Mittagessen in der TAS zu kosten. Der letzte Anlaufpunkt war der Laden mit gut erhaltenen Kleidungsstücken in Gladenbach. Hier sind seit Oktober 2016 Beratungsangebot und Sachhilfen an einer Adresse. Durch die Möglichkeit in angenehmer Atmosphäre einzukaufen, ist es für Menschen mit verschiedenen Problemlagen oftmals leichter, auch die Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen. Dr. Gütter begrüßte auch den ökologischen Wert des Gebrauchtkleiderladens. Für sie seien Fairtrade und Ressourcenschonung wichtige Grundsätze.

Der Laden in Gladenbach: Soziales Angebot und Umweltschutz
Das Team der TAS mit Dr. Ruth Gütter und Ulrich Kling-Böhm

"Das ist ein Gewinn für alle!"

Ehrenamtlicher Einsatz im Diakonischen Werk

Sie tun, was ihnen wichtig ist, sie machen es immer unbezahlt - aber niemals umsonst: Freiwillig Engagierte, die Zeit und ein Lächeln schenken, die ihre Gaben und Fähigkeiten einsetzen, um anderen Menschen zu helfen. Und die damit eine manchmal ziemlich kalte Welt etwas wärmer machen. Im Diakonischen Werk Marburg-Biedenkopf bringen sich ehrenamtlich Mitarbeitende in den Kleiderläden, den Suchtselbsthilfegruppen, den Demenzcafés, der Flüchtlingshilfe und in der Tagesaufenthaltsstätte für wohnungslose Menschen (TAS) ein.  

Einen ganz besonderen ehrenamtlichen Einsatz in der TAS leisten zwei Ärztinnen. Jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat stehen sie in der Zeit von 14 bis etwa 16 Uhr den Besuchern der Aufenthaltsstätte mit einem offenen Ohr für Alltagsprobleme und ihrem beruflichen Fachwissen zur Verfügung. Seit etwa 10 Jahren spendet Anne-Marie Krehbiel einen Teil ihrer Freizeit für dieses Angebot. Die 63-jährige ist seit 1983 als Ärztin für Allgemeinmedizin in Stadtallendorf niedergelassen. Dr. Monika Stützer engagiert sich seit 2014 in der TAS. Die 67jährige suchte nach dem Eintritt in den Ruhestand eine ehrenamtliche Tätigkeit. Im folgenden Interview schildern beide ihre Erfahrungen und Eindrücke aus diesem Freiwilligen Engagement.

Warum ist dieses Angebot für die Besucher der TAS so wichtig?


Anne-Marie Krehbiel
„Ich glaube dass die Besucher der TAS schätzen, dass sie an einen Arzt geraten, der mehr Zeit hat für ein Gespräch. Wir können auch ein Kassenrezept oder eine Überweisung ausschreiben, das ist sicher leichter und schneller als in einer gängigen ärztlichen Praxis.“

Dr. Monika Stützer
„Es ist die Praxis des kurzen Weges und schnellen Tagestermins ohne bürokratische Hürden, auch wenn keine Krankenversicherung besteht.“

Aus welchen Gründen haben Sie sich für diesen freiwilligen Einsatz entschieden?

Anne-Marie Krehbiel
„Mich hat vor 10 Jahren interessiert, in welchem Umfang Obdachlose erkrankt sind.“

Dr. Monika Stützer
„Ich las von der Suche einer ehrenamtlichen Hilfe in der Zeitung und in einem Rundbrief unserer Ärztegenossenschaft PRIMA in Marburg. Weil ich kurz danach in Rente ging und eine solche Aufgabe im Sinn hatte, passte das zusammen. Zumal eine noch praktizierende Kollegin mit im Boot ist, erleichtert das unsere Arbeit.“

Welche Anliegen haben die Menschen, die hier zu Ihnen kommen?

Anne-Marie Krehbiel
„Die Patienten suchen in erster Linie ein Gespräch.“

Dr. Monika Stützer
„Aktuelle körperliche Behandlung ist selten nötig. Die Mehrzahl der Menschen hat eine Vielzahl von oft chronischen Beschwerden und Problemen, die nicht leicht lösbar sind. Haus- und Fachärzte werden unregelmäßig oder gar nicht aufgesucht. Viel Frustration ist aufgestaut über widrige Lebens- und Sozialbedingungen und Institutionen.“

Was ist Ihr persönlicher Gewinn aus dieser Tätigkeit?

Anne-Marie Krehbiel
„Ich habe gelernt, dass Obdachlose sehr kranke Menschen sind. Der erste Patient der kam hat zeitgleich mit mir in den 70er Jahren Physik studiert. Ich kenne ihn aus der Zeit und hatte immer mal wieder mit ihm Kontakt.“

Dr. Monika Stützer
„Ich kann manchmal Rat geben und gesundheitliche Zusammenhänge erklären. Meist ist Zeit dazu, die es in laufender Praxis nicht gibt. Als „Blitzableiter“ kann ich Aggressionen abfangen und ich freue mich darüber, wenn jemand ausgeglichener wird und auf seine Belange achtet. Das ist ein Gewinn für alle!“

Herzlichen Dank Frau Krehbiel und Frau Dr. Stützer für dieses offene Interview!

Weitere Informationen zum Ehrenamtlichen Einsatz im Diakonischen Werk

 


Ehrenamtlich setzen sich zwei Ärztinnen in der TAS ein. Sie behandeln, hören zu und nehmen sich Zeit für ihre Patienten.

Blick ins Behandlungszimmer