Projekt für wohnungslose Frauen startet im April
Mitarbeitende der Targo-Bank leisten Freiwilligentag im Diakonischen Werk
Eine Spende in Höhe von 25.000 Euro sowie tatkräftige Unterstützung für einen Tag: Sechs Abteilungsleiter aus mehreren Standorten der Targobank besuchten das Diakonische Werk Marburg-Biedenkopf. Sie überbrachten die Spende für den neuen Frauentreff und engagierten sich im Rahmen eines Freiwilligentags in der Wohnungsnotfallhilfe (WNH). Dabei erhielten sie Einblicke in die Praxis vor Ort. Auf das Vorhaben aufmerksam geworden war die Targobank durch das Projekt #WärmeSpenden der Diakonie Hessen und der Landesstiftung „Miteinander in Hessen“.

Mitarbeitende der Wohnungsnotfallhilfe und der Targobank und Elke Gürsu von der Diakonie Hessen
Bevor die Banker beim Streichen einer Gartenhütte auf dem Außengelände mit anpackten, informierte das Fachteam über das neue Angebot. „Es gibt in Marburg kaum Angebote für wohnungslose Frauen“, sagte Fachdienstleiter Alexander Becker. Betroffene, die auf der Straße leben, seien Übergriffen und Gewalt häufig schutzlos ausgeliefert. Ziel des Vorhabens sei es daher, dieser besonders vulnerablen Personengruppe einen geschützten Ort zu bieten. Geschlechtergemischte Angebote wie die Tagesaufenthaltsstätte (TAS) des Diakonischen Werks erschwerten Frauen mitunter den Zugang, da sich viele nach Gewalterfahrungen in der Gegenwart von Männern nicht sicher fühlten.
„Es geht darum, einen Raum zu schaffen, in dem Frauen sich unter Frauen treffen können. Ein Raum, in dem Begegnung, Vernetzung und ein seelisches und körperliches Auftanken möglich ist“, erläuterte Sozialarbeiterin Brenda Espinoza-Veron, die den Treff gemeinsam mit einem Team freiwillig Engagierter leiten wird. Im Martin-Luther-Haus in Marburg findet das Angebot bewusst räumlich getrennt von den übrigen Diensten der WNH statt und steht den Besucherinnen mittwochnachmittags bei Getränken und einem kleinen Imbiss offen. Zudem besteht die Möglichkeit, Beratungsgespräche in geschütztem Setting wahrzunehmen.
In der anschließenden Gesprächsrunde veranschaulichten die Sozialarbeiter anhand einzelner Biografien, wie schnell der Weg in die Obdachlosigkeit führen kann. „Wer keine Freunde oder Familie als Netzwerk hat, landet schnell auf der Straße“, erklärte Jens Schneider von der TAS. Er ergänzte: „Um aus einer Beziehung mit einem gewalttätigen Partner zu entkommen, gehen Frauen mitunter freiwillig in die Obdachlosigkeit.“ Verschärfend wirke zudem die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt. Ziel der WNH sei es, zunächst akute Not abzumildern und eine weitere Verschlechterung der Situation zu verhindern. Zwar gelinge es in einzelnen Fällen, Wohnverhältnisse zu stabilisieren oder neuen Wohnraum zu finden, häufig gehe es jedoch um reine Überlebenshilfe.
Wie fragil staatliche Ansprüche sein können, verdeutlichte Espinoza-Veron am Beispiel eines auslaufenden Aufenthaltstitels: Bei Jobverlust wird dieser nicht verlängert; fehlt anschließend das Geld für die Miete, geht auch die Unterkunft verloren. Ist man erst einmal aus dem sozialen Netz gefallen, gestaltet sich der Weg zurück oft schwierig.
Die Vertreter der Targobank zeigten sich beeindruckt von der Vielfalt der Tätigkeiten in der Wohnungsnotfallhilfe. Sie dankten den Mitarbeitenden für ihr Engagement und betonten, das Projekt passe gut zur Spendenstrategie und Philosophie der Bank. Im Anschluss stellten sie ihr handwerkliches Können unter Beweis und verhalfen einer Gartenhütte auf dem Außengelände der WNH zu einem Schutzanstrich. Für den Freiwilligentag waren sie von ihrem Arbeitgeber freigestellt worden.

Die Hütte glänzt nach dem Freiwilligeneinsatz der Mitarbeitenden der Targobank im neuen Anstrich. Foto: Elke Gürsu / Diakonie Hessen