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Magdalena-Schneider-Stiftung unterstützt Wohnungsnotfallhilfe


Mitarbeitende des Diakonischen Werks stellen die Wirksamkeit der Projekte vor

Die Wohnungsnotfallhilfe des Diakonischen Werks Marburg-Biedenkopf freut sich über eine Spende in Höhe von 17.000 Euro der Magdalena-Schneider-Stiftung. Auf Wunsch des Stifters werden davon 5.000 Euro als Anschubfinanzierung für das neue Projekt „Frauentreff“ eingesetzt. Zudem werden 12.000 Euro zur medizinischen Versorgung obdachloser Menschen bereitgestellt. In dem seit Jahren etablierten Projekt „Krank auf der Straße“ erhalten Menschen ohne Wohnung eine grundlegende gesundheitliche Versorgung. Dafür engagieren sich ehrenamtlich tätige Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen. Darüber hinaus ist eine Krankenpflegerin stundenweise im Einsatz.

Andreas Hanisch, Vorsitzender der Magdalena Schneider Stiftung (2. von rechts) mit Jens Schneider, Brenda Espinoza-Veron und Alexander Becker von der Wohnungsnotfallhilfe beim Martin-Luther-Haus in Marburg

Die Mitarbeitenden der Wohnungsnotfallhilfe trafen sich mit dem Stiftungsvorsitzenden Andreas Hanisch im Martin-Luther-Haus in Marburg. Dort startet im April 2026 der neue Frauentreff, ein geschützter Raum, in dem Frauen miteinander ins Gespräch kommen, sich vernetzen und eine Ruhepause vom Leben auf der Straße einlegen können. Sozialarbeiterin Brenda Espinoza Veron hat das Projekt initiiert und wird die Besucherinnen gemeinsam mit einem Team Ehrenamtlicher begleiten und bewirten. Darüber hinaus bietet sie im vertraulichen Rahmen Beratung an. Sie betont, wie wichtig ein Schutzraum für obdachlose Frauen ist. Viele von ihnen haben bereits vielfältige Übergriffe und Gewalterfahrungen erlebt, gegen die sie sich kaum wehren können. Deshalb meiden manche Frauen Orte, an denen Männer anwesend sind, wie etwa die Tagesaufenthaltsstätte.

Hanisch berichtet, er habe lange über die verschiedenen Facetten von Armut nachgedacht. Neben materieller Not könnten Menschen auch arm an Gesundheit, Zuwendung und Teilhabe sein. „In der Obdachlosigkeit sind viele Armutskriterien komprimiert“, sagt er. Die 2020 aus dem Nachlass einer wohlhabenden Frau gegründete Stiftung fördert inzwischen deutschlandweit Projekte der Obdachlosenhilfe. Der Landwirt aus Kirchhain freut sich, nun auch eine Einrichtung in der Nähe seines Wohnortes zu unterstützen. An die Magdalena-Schneider-Stiftung können keine Anträge gestellt werden – stattdessen sucht Hanisch selbst nach Projekten, die zum Stiftungszweck passen, und verschafft sich vor Ort einen Eindruck. Dabei hat er Gespräche mit obdachlosen Menschen geführt und festgestellt: „Diese Menschen kann man keiner Schicht zuordnen. Das kann alle Klassen erwischen.“ Zudem stellt er die Frage: „Wie könnten die Kommunen euch besser unterstützen in eurer Arbeit? Wie kann die Gesellschaft helfen?“

Sozialarbeiter Jens Schneider antwortet: „Wir brauchen Kapazitäten, um die Menschen zu stabilisieren und ihnen beim Wiederankommen in der Gesellschaft zu helfen.“ Dafür seien deutlich mehr Stunden für soziale Arbeit notwendig. Espinoza Veron wünscht sich außerdem weniger Stigmatisierung obdachloser Menschen. Viele hätten angesichts des angespannten Wohnungsmarktes nicht einmal die Chance auf einen Besichtigungstermin. Dadurch würden Menschen „wohnungsunfähig gemacht“.

Projektvorstellung in den Räumen des neuen Frauentreffs

Alle waren sich einig, dass die ehrgeizigen politischen Pläne, Obdachlosigkeit bis 2030 abzuschaffen, unrealistisch seien. „Wohnraum ist so knapp“, sagt Hanisch. Hinzu kämen ständig steigende Miet- und Energiekosten. „Die Rechnung geht nicht auf“, ergänzt Alexander Becker, Fachdienstleiter der Wohnungsnotfallhilfe. Dafür kämen zu viele Menschen in die Beratung und folglich sei der Konkurrenzdruck auf freie Wohnungen enorm hoch.